Jazz

Verónica Ferreiro – The Voice of Galicia: Rau, kantig, wunderschön.

Nach Mezquida war die Latte hoch. Zu hoch, ehrlich gesagt. Man sass noch in dessen Bildern — noch im rauschenden Wald, noch im Walzer, noch irgendwo zwischen Schmetterlingen und Dampfkochtopf-Molekülen. Der Kopf voller Landschaften. Und dann betrat Verónica Ferreiro die Bühne.

Mezquidas Schmetterlinge flogen noch durch die Kirche. Sie liessen sich nicht vertreiben.

Ferreiros Stimme ist ein Fluss mit vielen Armen. Mal schmal und klar wie ein Gebirgsbach im Frühling, mal breit und dunkel wie die Donau kurz vor dem Meer. Sie wechselt die Farbe, ohne dass man merkt, wann. Man folgt ihr einfach — wie man einem Vogel folgt, der plötzlich die Richtung wechselt und trotzdem nie falsch liegt.

Das Piano bleibt im Schatten. Ruhig, behutsam — wie Hände, die jemanden führen ohne zu halten. Es öffnet Türen, tritt aber nie hindurch. Die Töne fallen wie einzelne Tropfen in ein stilles Wasser.

Und dann die Gitarre. Stark verzerrt, mit einem Sound, der in einer Dorfkirche eigentlich nichts verloren hat — und gerade deshalb brennt. Sie fährt durch den Kirchenraum wie ein heisser Wind durch ein altes Gemäuer. Ein Widerspruch, der aufgeht.

Schwierig, sich zu konzentrieren nach Mezquida. Das ist kein Vorwurf. Das ist das Schicksal eines herrlichen Abends, eines Überschwangs von Gefühlen.

Konzertdaten
TitelVerónica Ferreiro – The Voice of Galicia
Datum20. Mai 2026
Festival36. Jazzfestival Basel
OrtDorfkirche Riehen
BesetzungVerónica Ferreiro (Gesang) · Javier Sánchez (Gitarre) · Moisés P. Sánchez (Piano)
Wertung
Moisés P. Sánchez (Piano)
★★★★☆
Verónica Ferreiro (Gesang)
★★★★★
Javier Sánchez (Gitarre)
★★★★☆
Gesamt
★★★★☆