Tomatito habe ich schon mehrfach erlebt, zuletzt 2023 hier im Stadtcasino, als eine Tänzerin mit brillanten Einlagen das Publikum begeisterte. Und davor durfte ich Paco de Lucía zweimal live erleben — für mich der Massstab schlechthin. Tomatito ist für mich der würdige Nachfolger, der den Flamenco Nuevo weiterträgt, ohne ihn zu verbiegen.
Das ausverkaufte Stadtcasino hatte sich an diesem Mittwochabend für Flamenco entschieden — und wer hier sass, hatte richtig entschieden. Ich sass in der vierten Reihe Mitte — freie Sicht, perfekte Akustik, nah genug, um jeden Finger auf den Saiten zu verfolgen.
Vom ersten Stück an setzte das Sextett einen mitreissenden Rhythmus. Kiki Cortiñas und Morenito de Íllora flankierten die Bühne mit exzellentem Gesang — ihr Duett entfaltete eine Wirkungskraft, welche die brilliante Gitarrenklang noch eindrücklicher machte.
Beim dritten Stück gehörte die Bühne ausschliesslich den Gitarren: Tomatito und sein Sohn José del Tomate spielten eine einfühlsame Hommage an Paco de Lucía — der Meister war spürbar anwesend, in jeder Phrase, in jedem Moment des Innehaltens. Erinnerungen wurden wach. José del Tomate spielte technisch ansprechend; im direkten Vergleich mit seinem Vater zeigte sich allerdings der Abstand — was keine Kritik ist, sondern eine Feststellung über das Format des Ausserordentlichen.
Jony Cortés am Cajón spielte nur mit den Händen und schaffte es, dank der mehrfingrigen Anschlagstechnik den Rhythmus noch weiter zu strukturieren. Er lieferte ein mitreissendes Solo, der Saal hielt den Atem an und applaudierte frenetisch.
Pepe Torres tanzte mit ausdrucksstarker Körpersprache; Stampfen und Klatschen verschmolzen zu einem einzigen pulsierenden Rhythmus, der mitriss. Er war am Ende seiner Darbietung völlig schweissgebadet und hatte den riesigen Applaus mit jeder Bewegung seines Körpers verdient.
Tomatito selbst war von Anfang bis Ende präsent, herzlich, makellos — ein Gitarrenspiel, das keine Schwäche kannte. Die Ansprachen ans Publikum erfolgten leider ausschliesslich auf Spanisch; die Wärme dahinter war trotzdem für alle spürbar.
Am Ende minutenlange Standing Ovations — frenetisch und verdient. Leider keine zweite Zugabe, es war mittlerweile zehn Uhr und für die Künstler die letzte Chance noch rechtzeitig ins Restaurant zu kommen. In Spanien ist 22:00 eine normale Zeit fürs Abendessen, in Basel schliesst die Küche …
Alles in allem eine traumhafte Reise nach Andalusien, ein Abend zum Hinschmelzen und zum Erinnern an den Meister aller Zeiten, Paco.
| Festival | Offbeat Jazzfestival Basel 2026 |
| Datum | 29. April 2026, 20:15 Uhr |
| Ort | Stadtcasino Basel, Musiksaal |
| Besetzung | Tomatito (Gitarre) · José del Tomate (Gitarre) · Kiki Cortiñas (Gesang/Palmas) · Morenito de Íllora (Gesang/Palmas) · Pepe Torres (Tanz/Palmas) · Jony Cortés (Cajón, Schlagzeug) |
| Repertoire | Flamenco Nuevo · Hommage an Paco de Lucía |