Die Band, welche wir bei Rock im Park 2024 kennen gelernt haben, spielt auf der Welttournee in Europa einige kleine Sälle und einige Festivals. Das rund 600 km entfernte Münster war das näheste Konzert, wir beschlossen also, das Konzert mit einem Familienurlaub zu verbinden.
Noch nie hatte ich derartige Probleme an Tickets zu kommen wie hierfür. Drei Monate lang ging die Suche bis ich schliesslich die zwei Eintrittskarten über fansale.de und ticketswap in der Hand hielt.
Mit Fiona ging es morgens nach Münster, wo wir gemütlich dem Aasee entlang schlenderten. Wir dachten uns «Der Skaters Palace ist ein kleiner Saal und wir wollen ohnehin nur in den hinteren Teil des Mosh-pits. Wir müssen also nicht sehr früh dort sein. Gehen wir doch eine halbe Stunde vorher, also um 19:30 vorbei“.
Wir kommen an – und dann der grosse Schock: die Schlange zieht sich 300 Meter die Strasse hinunter und es ging nur sehr langsam voran.
Punkt 20 Uhr sind wir endlich drin. Der Skaters Palace selbst sieht aus, als hätte man ihn für alles andere gebaut, nur nicht für ein Rockkonzert. Schräge Winkel, tote Ecken — ein Drittel des Publikums sieht von der Bühne kaum mehr als eine grösse Säule, Schatten und Lichtkegel. Fiona checkt das in Sekunden und erklärt mir wo wir hingehen sollten.Wir dirigierten uns zu einem Platz, von dem aus man tatsächlich etwas sieht und hört — als Vater lernt man von seinen Kindern.
Zehn Minuten später geht es los, sie wollten offensichtlich sicherstellen, dass möglichst viele Leute das Konzert in voller Länge erleben können.
Schon beim ersten Song singt der ganze Saal mit — nicht nur die vorderen Reihen, sondern bis weit nach hinten wird gesungen und gesprungen. The Warning schaffen es, dass die Energie sich nicht in einem Mosh-Pit bündelt, sondern den ganzen Raum durchflutet. Ab dem ersten Ton. Wow.
Dany ist von der ersten Minute an das Rückgrat der Band — Gitarre, Lead-Gesang, die Ansagen zwischendurch, alles läuft über sie. Pau am Schlagzeug wirkt konzentriert nach innen gerichtet, aber sobald sie singt, ist sie eine Macht und erweitert das Klangspektrum gewaltig — ihre warme Stimme trägt weit in den Mezzo-Bereich hinein. Sie ist eigenständig und mit zentraler Bedeutung, nicht nur Backing Vocals zu Danys Gesang. Ale steht dabei keineswegs im Schatten der beiden — sie zeigt eine beachtliche Bühnenpräsenz und hat Power in ihrem Spiel.
Am Anfang geht der Saal mit, der Zündfunke fehlt jedoch. Es ist wie eine überkritische Flüssigkeit. Das Zentrum springt, wartet jedoch auf den Moment, in dem zufällig oder absichtlich ein Pit entsteht.
Vor „Ego“ tritt Dany ans Mikrofon und kündigt den Song an als Vorbote des kommenden fünften Albums „Everything’s Falling“, das im August erscheint. Man hört sofort, was sich ändern wird: Der Song ist straffer und direkter als die älteren Songs, mit einem Refrain, der auf Anhieb sitzt. Das wird ein super Album – vielleicht mit einer anschliessenden Welttournee.
Die Direktheit zieht: es öffnet sich ein Mini-Pit, und sofort strömen Leute hinein, die nur darauf gewartet haben — Fiona und ich natürlich mittendrin. Es bleibt es sanft und alle geniessen es und haben eine gute Zeit. Einer der rücksichtsvollsten Pits, die ich lange erlebt habe.
Wir geniessen es – bis … mitten im Song „DISCIPLE“ der Bruch erfolgt. Pau verschwindet hinter dem Schlagzeug. Ihre Schwestern schauen geschockt zu ihr rüber, alle verlassen die Bühne. Das Konzert bricht mitten im Takt ab — niemand weiss, was passiert ist.
Nach langem Warten kommt Dany zurück, allein. Pau könne nicht weiterspielen, sagt sie — sie sei bei den Paramedics, es gehe ihr gut. Applaus, erleichtert und nervös zugleich.
Was folgt, ist ein Geschenk an uns: das Konzert ist nicht sofort beendet, sondern Dany spielt allein mit der akustischen Gitarre. Wahrscheinlich das einzige Mal auf der Tour spielt sie das ruhige „When I’m Alone“.
Sie wirkt gefasst und professionell, wenngleich ihre Stimme manchmal ganz leicht brüchig wirkt.
Für einen letzten Song gesellt sich Ale dazu, sichtlich mit den Nerven kämpfend, für ein gemeinsames „Kerosene“ zum Schluss. Die im März publizierte Single des neuen Albums wird zum Schlussakkord des Abends. Der Drive von Pau fehlt und gerade deshalb ist es wie ein Gedanke an die Schwester, die gleichzeitig hinter der Bühne verarztet wird. Ein «werde bald wieder gesund, wir brauchen Dich. Unsere Musik braucht Dich. Unsere Fans brauchen Dich.“
Ein kurzes aber grossartiges Konzert. Der Umstand, dass die beiden Schwestern trotzdem nochmals rauskommen, um für Pau und für uns weiterzuspielen, ist ein Geschenk, das man nicht vergisst.
Fiona nimmt sich am Merch-Stand noch ein T-Shirt mit, ein Souvenir für einen besonderen, ja unvergesslichen Abend.
Gute Besserung, Pau.
| Titel | The Warning |
| Datum | 1. Juli 2026 |
| Ort | Skaters Palace, Münster |
| Besetzung | Daniela 'Dany' Villarreal (Gitarre, Gesang) · Paulina 'Pau' Villarreal (Schlagzeug, Gesang) · Alejandra 'Ale' Villarreal (Bass, Backing Vocals) |