Ein Pfingstmontag ist kein Konzertabend für die Massen. Das Volkshaus blieb spärlich gefüllt — schade, denn was sich auf der Bühne entfaltete, hätte ein volles Haus verdient.
Savina Yannatou ist keine Sängerin, die man einfach einordnet. Ihr Sopran ist luftig, schwebend, zart — und im nächsten Moment öffnet sie ihn so weit, dass man vergisst, wo man ist. Von stiller Innigkeit bis zu befreiter Improvisationskunst: eine Stimme, die einen einfach mitnimmt.
An ihrer Seite Lamia Bedioui — eine andere Welt. Dunkler, schwerer, nachdenklicher. Wo Yannatou schwebt, bleibt Bedioui geerdet, mit einem Timbre, das nach Wüste klingt, nach alter Dichtung, nach Nächten ohne Horizont. Zwei Stimmen, die eigentlich nicht zusammenpassen dürften — und die deshalb so wunderbar harmonieren.
Der Abend hatte zwei Themen, die eigentlich eines waren: Wasser — und der gesamte Mittelmeerraum. Von Griechenland über Nordafrika bis zur iberischen Halbinsel, von sephardischen Melodien bis zu arabischer Dichtung, von korsischen Klageliedern bis zu ägyptischen Traditionals. Das Ensemble webte all das zu einem einzigen, fliessenden Klangstrom zusammen — so selbstverständlich, als hätten diese Kulturen nie getrennt gelebt. Der Qanun — eine orientalische Zither — erzeugte einen perlenden, unaufhörlichen Tropfenfluss, der den ganzen Abend zusammenhielt. Geige und Nay unterlegten Yannatous Gesang so leise und präzis, dass ihre Stimme darauf zu gleiten schien wie auf Wellen. Wenn sie schwieg, traten die beiden ins Forte — und hielten die Welt in der Luft. Oud und Percussion verdunkelten die dramatischeren Momente, gaben ihnen Gewicht und Erde.
Ein wunderschöner Abend. Eine Entdeckung. Musik, die keine Grenzen kennt — und einen noch lange nicht loslässt.
| Titel | Savina Yannatou & Primavera en Salonico |
| Datum | 25. Mai 2026 |
| Festival | 36. Jazzfestival Basel |
| Ort | Volkshaus Basel |
| Besetzung | Savina Yannatou (voice) · Lamia Bedioui (voice) · Kostas Vomvolos (qanun, accordion) · Harris Lambrakis (nay) · Kyriakos Gouventas (violin) · Yannis Alexandris (oud) · Dine Doneff (double bass & percussion) |