Punk

Rise Against & Donots in Zürich

Eine monatelange Vorfreude geht in Erfüllung

Seit Monaten haben wir uns auf diesen Abend gefreut. Als dann auch noch die Donots als Support angekündigt wurden, war die Latte plötzlich noch höher gelegt — zwei Bands, ein Abend, zwei Mal die Chance, dass ein Traum in Erfüllung geht. Die Spannung war gross.

Donots: erste Antwort

Der Saal noch halbvoll. Doch das hält Ingo Knollmann keine Sekunde zurück. Wie wild auf der Bühne, springt, hüpft — und schon beim ersten Song unglaubliche Power. Er peitscht das Publikum an, deutet an: ich will einen Circle Pit sehen.

Vorerst springen die Leute nur. Die Halle ist noch nicht ganz bereit. Aber beim zweiten Song bildet sich der erste Pit, während sich der Saal zunehmend füllt. Mit jeder Minute wird er grösser. Dann steigt Ingo selbst ins Publikum — mitten hinein in einen mittlerweile riesigen Circle Pit, den er mit seiner blossen Präsenz noch weiter befeuert. Kurz darauf klettert er auf Schultern und singt von dort oben über die ganze Menge. Die Energie, die er von der ersten Sekunde an gepeitscht hat, ist unglaublich.

Die Zurückhaltung: verflogen. Eine Frage ist nach vierzig Minuten beantwortet, und wie: hier brennt schon die Vorband — was kommt erst noch?

Zum Schluss «So Long» — ihr gemeinsamer Song mit Frank Turner, den inzwischen beide am Ende ihrer Sets spielen. Die Band hört auf zu spielen, die Halle singt alleine weiter, bis alle wieder gemeinsam einsteigen. Diese Verbundenheit, die in diesem Moment spürbar wird, übermannt mich jedes Mal aufs Neue.

Ein Traum. Pures Glück. Und die Hauptband kommt erst noch.

Rise Against: Power ohne Ende

Schon beim ersten Song springen die Leute auf der Stelle — keine Anlaufzeit, kein Abtasten, sofort volle Energie. Ab dem zweiten Song dann der nächste Schritt: ein grosser Pit entsteht, aber überraschend rücksichtsvoll. Einfach nur Spass, keine Gewalt.

Die Band strahlt, spielt nah am Publikum — und plötzlich, ganz unverhofft, treibt es Tim McIlrath auf die Spitze: kabelgebundenes Mikrofon in der Hand, ein Sprung von der Bühne mitten ins Publikum. Der Bühnentechniker kämpft kurz damit, danach wieder alles zu installieren — lacht, macht mit der Hand eine Geste zu McIlrath, die nur eines sagt: das war ja komplett crazy. Dieser lacht zurück. Wir alle wissen in diesem Moment: dieser Abend wird fun.

Die Setlist enthält alle Hits, kein Leerlauf, kein Durchhänger. Die Leute singen jeden Text laut mit, im Pit ist die Stimmung längst ausgelassen. Plötzlich tippt mich Fiona mit einem breiten Lachen an — auch sie ist hier, mitten im pulsierenden Pit. Wir selbst bleiben im hinteren Teil, springen, singen mit, lassen uns einfach tragen — und um uns herum, im ganzen Publikum, sieht man nur glückliche Gesichter. Mit jedem Song steigt die Spannung weiter: ich frage mich, was noch passieren wird.

Kein Bremsen — der Pit explodiert zunehmend, bleibt aber immer noch rücksichtsvoll.

Und dann, als allerletzter Song des Abends: «Savior». Jetzt ist der Pit nicht mehr zu halten, auch ausserhalb wird überall getanzt. Fiona und ich tanzen und singen im hinteren Teil mit — traumhaft schön.

Hinterher sind wir heiser, die Beine schwer. Ich habe Mühe zu gehen, die Füsse tun weh. Aber wir sind glücklich. Ein herrlicher Abend zu zweit.

Konzertdaten
TitelRise Against & Donots
Datum29. Juni 2026
OrtHalle 622, Zürich
BesetzungTim McIlrath (Gesang, Rhythmusgitarre) · Zach Blair (Leadgitarre) · Joe Principe (Bass) · Brandon Barnes (Schlagzeug) · Donots: Ingo Knollmann (Gesang) · Guido Knollmann (Gitarre) · Alex Siedenbiedel (Gitarre) · Jan-Dirk Poggemann (Bass) · Eike Herwig (Schlagzeug)

Wertung
Donots
★★★★★
Rise Against
★★★★★
Gesamteindruck
★★★★★

Rise Against — Halle 622, Zürich, 29. Juni 2026
1. Re-Education (Through Labor) · 2. Under the Knife · 3. Give It All · 4. Help Is on the Way · 5. The Good Left Undone · 6. Nod · 7. Ready to Fall · 8. Like the Angel · 9. Satellite · 10. Hero of War · 11. Swing Life Away · 12. Chamber the Cartridge · 13. Prayer of the Refugee
Zugabe: 14. Make It Stop (September's Children) · 15. Savior