Jazz

Marco Mezquida Solo Piano: Bilder über Bilder.

Er betritt den Saal und sagt, er wisse noch nicht, was kommt. Er werde improvisieren. Punkt. Kein Programm, kein Netz.

Der linke Arm legt sich quer über die Tasten. Ein leises Schwenken — Vibrato, Atemzug, Vorbereitung. Dann beginnt die rechte Hand zu zaubern.

Ein Frühling entsteht. Langsam, zögernd, wie die ersten Sonnenstrahlen über einen Bergrücken. Die zweite Hand stimmt ein — und man hört es plötzlich: das Blühen. Die Natur erwacht, Schicht um Schicht. Vögel steigen auf, zwitschern, werden mehr und mehr. Schmetterlinge tauchen auf. Der ganze Himmel ist voll — wunderschön, taumelnd, überwältigend.

Dann löst sich dies langsam auf. Die Nacht bricht ein.

Kleine Perkussion, fast beiläufig. Mezquida spielt gefühlvoll die hohen Saiten im Piano, generiert eine Stimmung wie stilles Wasser. Frieden. Und dann — aus dem Nichts — taucht etwas Bedrohliches auf. Es nähert sich. Wird grösser. Dunkler. Füllt den Raum.

Die Sonne geht langsam auf. Die Bedrohung löst sich auf wie Nebel.

Der Tag beginnt, beschäftigt, laut, voller Auseinandersetzungen — die schwerwiegender werden, sich aufschaukeln, eskalieren. Dann weniger. Romantischere Töne. Freude kommt auf. Menschen beim gemeinsamen Zusammensein, harmonisch, warm. Und gegen Ende — fangen sie an zu tanzen, zu hüpfen.

Fünfundvierzig Minuten. Ohne Pause. Ohne Vorgabe.

Er kommt wieder — dreimal. Gedämpftes Klavier, Töne wie Moleküle, die in einem Dampfkochtopf eingesperrt sind und raus wollen. Ein Ausbruch, doch nicht explosiv — sondern harmonisch, Freude verstrahlend. Menschen tanzen Walzer und Rock’n’Roll. Rauschende Wälder.

Bilder über Bilder.

Das beste Solopianokonzert seit Keith Jarrett im KKL Luzern — 2015. Er hat die Bewertungsskala hinweggefegt.

Konzertdaten
TitelMarco Mezquida Solo Piano
Datum20. Mai 2026
Festival36. Jazzfestival Basel
OrtDorfkirche Riehen
BesetzungMarco Mezquida (Piano)
Wertung
Technik
★★★★★ +★
Kreativität
★★★★★ +★
Gesamt
★★★★★ +★