Nürnberg zum Aufwärmen
Drei Tage Rock im Park. Drei pulsierende Tage, während denen ich durch die Musik getrieben wurde — diese mit jeder Faser meines Körpers intensiv erlebt habe. Wer Rockkonzerte so erlebt wie ich, weiss: danach ist nichts mehr übrig.
Und doch: Die Auftritte von Electric Callboy, Palaye Royale, Within Temptation, The Offspring, Iron Maiden und Linkin Park waren nur der Auftakt. Das absolute Highlight des verlängerten Wochenendes kommt noch.
Von Nürnberg kommend bin ich erst um sieben in der Rockhal — eine Location, die ich schon immer mal sehen und erleben wollte. Die Vorband um acht, die Hosen um neun. Ich suche mir einen Platz ein paar Meter vor der Bühne — und schlafe sofort vor Erschöpfung ein. Bis ich eine Minute vor acht geweckt werde.
Belgischer Stahl als Auftakt
Andi Meurer kommt auf die Bühne und stellt Triggerfinger vor.
Hard Rock mit Blues tief in den Knochen — roh, direkt, keine Kompromisse.
Das Publikum klatscht höflich. Ich gehe ab — als Einziger. Echt guter Sound, Triggerfinger gefallen mir. Im Oktober kommen sie nach Basel — ich werde dabei sein.
Weinen und überglücklich zugleich
Dann: das Intro. Trink aus vom Band.
Auf den Screens: ein ausgebrannter Opel. Impressionen von historischen Auftritten — Bilder, die Jahrzehnte umspannen. Irgendwo dazwischen, mit voller Wucht: „Esch/Alzette, 8.6.26.“ Der Saal hält den Atem an, die Anspannung steigt ins Unermessliche. Die Band betritt die Bühne — der Jubel bricht los.
Die Show muss weitergehen. Ich liebe dieses Gefühl, diesen Optimismus. Aber gleichzeitig liegt für mich etwas anderes in der Luft. Ich möchte fast weinen — und bin gleichzeitig überglücklich, dies erleben zu dürfen.
Das hier ist vielleicht das letzte Mal.
Nicht das letzte Konzert überhaupt. Aber das letzte Mal so nah. Blackpool im August — eine Stunde Spielzeit im Rahmen des Rebellion Festivals — zählt nicht wirklich. Die Stadien im Sommer zählen anders. In einem Saal, wo ich Campinos Mimik lese wie eine Zeitung, wo ich sehe, wie er in der ersten Reihe bekannte Gesichter entdeckt und aufleuchtet — wo er mit einem breiten Lachen im Gesicht mit ihnen redet: Das endet vielleicht heute Nacht.
Ich habe ihn in diesem Moment angeschaut und gedacht: Der Mann ist glücklich. Wirklich glücklich. Dann kam der andere Gedanke — der, den man wegzuschieben versucht: Wie oft sehe ich das noch so?
Glückrausch
Die Hosen spielen mit einer Spielfreude, die sich überträgt wie ein Virus. Jeder einzelne auf der Bühne — Campino, Kuddel, Breiti, Andi, Vom — strahlt, grinst, gibt alles. Man sieht: die wollen das. Die lieben das. Die Energie reisst einen mit. Ich schwebe. Buchstäblich. Ein Glückrausch, der sich durch jeden Song auflädt und nicht nachlässt — im Gegenteil. Ich bin glücklich. So richtig, vollständig und unfassbar glücklich. Die Art von Glück, die man nicht erzwingen kann — die einfach da ist, weil alles stimmt. Die Musik, der Saal, die Hosen, dieser Abend. Ich möchte, dass es nie aufhört.
Und dann geht es noch tiefer. Campino spricht über Wölli. Über den Besuch kurz vor dem Ende. Über einen Mann, der ohne Verbitterung sprach — als wäre er im Reinen mit allem. Danach: Alles wird vorübergehen.
Und plötzlich ist dieser Song meiner. Weil er heute zum ersten Mal richtig stimmt. Weil er das Leben beschreibt. Weil man wissen muss, was man wirklich will — und es tun muss. Auch wenn andere finden, das sei verrückt. Deshalb sind wir hier. Eine Familie im Geiste.
Und dieser Abend, dieser vielleicht letzte in einem kleinen Saal, gibt all dem einen Rahmen. Die ruhigen Songs sagen: es war richtig. Die schnellen sagen: hör nie auf.
Die Hosen spielen. Ich schwebe weiter.
You’ll Never Walk Alone
Nach dem Hauptprogramm fordert das Publikum „Eisgekühlter Bommerlunder“ — er steht nicht auf der geplanten Setlist. Campino kommt lachend auf die Bühne, witzelt, es sei doch erstaunlich, dass sie nach all den Jahren immer noch auf Sauflieder reduziert werden. Man sieht: es macht ihm Spass. Er liebt diese Interaktion, diesen Moment, diese Verbindung zum Publikum. Die Distanz zwischen Bühne und Saal löst sich auf — es sind einfach Menschen, die sich mögen.
Und sie spielen ihn. Als ersten Song des Zugabenblocks. Weil das so ist, wenn man für Freunde spielt.
Zum Schluss „You’ll Never Walk Alone.“ Wie oft habe ich das schon gehört. Doch diesmal ist es anders. Ehrlicher. Auf das Leben wirklich übertragbar. Zu Tränen rührend.
Dieser Moment soll ewig dauern. Er dauert nicht ewig. Aber er bleibt. Ewig.
Momente für die Ewigkeit
Inzwischen sind drei Tage vergangen. Ich habe es setzen lassen, um es richtig einzuordnen.
Paul McCartney im 100 Club am 17. Dezember 2010 bleibt das beste Konzert meines Lebens. Für immer. Ich war spontan ohne Ticket nach London geflogen, kam wie durch ein Wunder in den kleinen Club — und habe nach dem Auftritt stundenlang am ganzen Leib gezittert. Vor Emotionen, vor Überwältigung, vor Glück.
Aber es gibt nun eine neue Nummer zwei.
| Titel | Trink Aus! Wir Müssen Gehen - Tour 2026 |
| Datum | 8. Juni 2026 |
| Ort | Rockhal, Esch-sur-Alzette (LU) |
| Besetzung | Campino (Gesang), Andreas von Holst (Gitarre), Michael Breitkopf (Gitarre), Andreas Meurer (Bass), Vom Ritchie (Schlagzeug),Jet Baker (Keyboard) |