Der Abend begann mit meiner Lieblingsoper. Als die ersten Takte der Traviata-Ouvertüre erklangen — erst zart angedeutet von Iiro Rantala (Klavier), dann von Stefano Bollani (Klavier) aufgegriffen und weitergesponnen — war klar: das hier wird kein gewöhnlicher Jazzabend. Das wird ein traumhaftes Schwelgen in herrlichen Melodien. Quasi ein Genre übergreifendes Paradies. Das Programm folgte der gemeinsamen CD «Jazz at Berlin Philharmonic XV» auf ACT Music, welche ich mir danach kaufte und signieren liess. Und in diesem Kontext war die Darbietung eine riesige Überraschung, denn nichts wirkte einstudiert. Bollani und Rantala spielen, als würden sie sich gerade erst kennenlernen — kommunizierten über Handzeichen als würde alles von Grund auf improvisiert. Ein Schalk begleite die gesamte Darbietung, wobei Bollani fast clownesk auftrat und trotzdem perfekt jede Nuance herauskristallisierte. Rantala wurde regelrecht davon angesteckt und bot ebenfalls ein traumhafte Darbietung mit hinreissender Spielfreude und einem Lachen im Gesicht.
Aus der vierten Reihe hatte ich eine wunderbare Sicht auf beide Flügel. Man sah eine Virtuosität, die federleicht erschien und die das Herz strahlen liess.
Das Programm wechselte zwischen gemeinsamen Stücken und Soloauftritten — jeder Pianist zeigte, was er allein kann. Rantala mit nordischer Klarheit, Bollani mit mediterraner Wärme. Dann wieder zusammen: «Caruso», «Va Pensiero», «Te Voglio Bene Assaje» — Melodien, die man kennt und die hier trotzdem neu klangen, weil zwei Musiker sie mit echter und spielerischer Zuneigung interpretierten.
Als Freund der Oper war es ein reiner Genuss — ein traumhafter Abend, der ans Herz geht.
| Festival | 36. Offbeat Jazzfestival Basel |
| Datum | Dienstag, 28. April 2026, 20:15 Uhr |
| Ort | Stadtcasino Basel, Musiksaal |
| Besetzung | Stefano Bollani (Klavier) · Iiro Rantala (Klavier) |
| Repertoire | Piano Summit — Music for two Pianos |