Zehn Minuten mit dem Tram — und schon war man da. Der Park im Grünen in Münchenstein, ein Abend im Juni, mit Charlotte. Ein gemütlicher Schattenplatz in perfekter mittlerer Distanz zur Bühne, die Decke ausgebreitet, das Gelände leicht ansteigend — perfekte Sicht von überall, ein super Platz. Zwischen den Acts einfach liegen, Himmel anschauen. Auf dem Programm: Manfred Mann’s Earth Band und Uriah Heep. So soll ein Sommerabend sein.
Manfred Mann’s Earth Band
Er sass ganz aussen in der Ecke — fast so, als wollte er sich verstecken. Manfred Mann, 85 Jahre alt, gebrechlich wirkend, unscheinbar. Und doch stand er im Zentrum. Unaufdringlich — aber mit einer stillen Dominanz, die die gesamte Band mitriss. Der Mann, der aus einem guten Song einen brillanten macht, mit ein paar Noten mehr, die genau dort sitzen, wo sie sitzen müssen.
Daneben ein zusätzlicher Tourmusiker — mal auf einem Roland Keytar, mal als zweites Paar Hände an den Keys. Er erweiterte Manns ohnehin breiten Klangraum nochmals enorm — die Möglichkeiten erschienen grenzenlos. Wenn beide gleichzeitig spielten, öffnete sich der Sound in eine Tiefe, die man so nicht erwartet hatte.
Mick Rogers an der Gitarre spielte mit der Sicherheit eines Mannes, der seit über fünfzig Jahren weiss, wo er steht — präzise, ohne Effekthascherei, immer im Dienst des Songs. Robert Hart am Mikrofon trug die Jahre hörbar mit sich, doch Ausdruck hat er noch — jede Phrase sass. Steve Kinch am Bass legte ein solides Fundament, rund und warm, das den Sound zusammenhielt ohne aufzufallen. John Lingwood am Schlagzeug begleitete — stark genug, um zu tragen, dezent genug, um Raum zu lassen.
Und dann die Hits. «Blinded by the Light», «Davy’s on the Road Again», «Quinn the Eskimo» — Stücke, die man auswendig kennt, die man unzählige Male gehört hat. Und trotzdem: Manfred Mann erlaubte sich Erweiterungen, zusätzliche Synth-Passagen, die den bekannten Melodien neues Licht gaben. Man hielt inne und dachte: So klingt das also, wenn man einen Song wirklich kennt. Nicht Abspulen — Weiterdenken.
| Titel | Manfred Mann's Earth Band |
| Datum | 26. Juni 2026 |
| Festival | Summerstage 2026 |
| Ort | Park im Grünen, Münchenstein |
| Besetzung | Manfred Mann (Keyboards, Vocals) · Mick Rogers (Gitarre, Vocals) · Robert Hart (Gesang, Gitarre) · N.N. (Keytar) · Steve Kinch (Bass) · John Lingwood (Schlagzeug) |
Uriah Heep
Uriah Heep. 57 Jahre. Klingt das angestaubt? Kann man das noch mit Druck präsentieren? Und was macht man mit einem Hit, der so gross geworden ist, dass er die Band fast erdrückt? Bernie Shaw warf den Mikrofonständer dem Bühnenhelfer zu — er brauchte ihn nicht. Die Antworten kamen von selbst.
Shaw sang, als hätte er noch alles vor sich. Mitreissend, direkt, ohne Distanz zum Publikum. Mick Box an der Gitarre: geniale Virtuosität, einhändiges Spiel, Distortion, Saiten biegen bis ans Limit. Phil Lanzon an den Keyboards formte die dominanten Passagen mit einer Präzision, die alles andere kurz zum Schweigen brachte — und dann gehörte der Moment ihm. Russell Gilbrook am Schlagzeug zog nach vorne, mit Druck, mit Freude — und konnte loslassen, wenn der Song es verlangte. Dave Rimmer am Bass: technisch makellos, klar, tragend.
Grosse Spielfreude — bei jedem Einzelnen, bei der ganzen Band. Alte und neue Songs, jeder davon mit Überzeugung gespielt. Und dann: «Lady in Black». Zuerst nur Stimme und akustische Gitarre — still, fast intim, als würde man einem Gespräch zuhören. Dann kamen die anderen Instrumente. Der Song wuchs. Wurde rockiger, lauter, grösser. Ein Moment, der einen einfach mitnahm. Man verstand, warum er nicht wegzudenken ist.
| Titel | Uriah Heep |
| Datum | 26. Juni 2026 |
| Festival | Summerstage 2026 |
| Ort | Park im Grünen, Münchenstein |
| Besetzung | Bernie Shaw (Gesang) · Mick Box (Gitarre, Vocals) · Phil Lanzon (Keyboards, Vocals) · Dave Rimmer (Bass) · Russell Gilbrook (Schlagzeug) |
Ein Sommerabend zu zweit auf der Decke im Park, zwei herrliche Bands — Herz, was willst du mehr.