Noch bevor Social Distortion die Bühne betraten, hatten fünf Römer bereits alles gegeben. Giuda — Glam-Punk-Veteranen aus Rom — kamen raus als wollten sie die Halle 622 eigenhändig abreissen. Kein Warmlaufen, keine Gnade: ein Non-Stop-Feuerwerk von der ersten Sekunde. Starke Musik, stark vorgetragen — 70er-Glam mit Cock-Sparrer-Fäusten. Ich frage mich kurz: Können sie so eine Vorband wirklich toppen? Die Antwort kam später. Giuda — ein Name, den ich mir merken werde.
Dann betrat Mike Ness die Bühne. Und hier beginnt die Geschichte komplizierter zu werden.
Die Hits sitzen. Der Pit lebt, die Leute singen laut mit, ich mittendrin. Das zieht. Das funktioniert. Dafür ist man gekommen.
Aber dazwischen: Minutenlange Ansprachen. Ness nuschelt ins Mikrophon — starker amerikanischer Akzent, unverständlich, irgendwo zwischen Predigt und Selbstgespräch. Kein Wort kommt an. Die Energie, die Giuda so mühsam aufgebaut hat, sickert weg. Die Band steht da. Wird nie vorgestellt. Als gäbe es nur einen Mann auf der Bühne.
Und dann, aus dem Publikum: «Vote Trump.» Wirklich. Hier. Ich schüttle den Kopf und tauche wieder ein in den Pit.
Denn dort, wo keine Worte sind, stimmt alles.
| Titel | Social Distortion |
| Datum | 24. Juni 2026 |
| Ort | Halle 622, Zürich |
| Besetzung | Mike Ness (Gesang, Gitarre) · Jonny Wickersham (Gitarre) · Brent Harding (Bass) · David Hidalgo Jr. (Schlagzeug) · David Kalish (Keyboards) |