Konzertreisen Rock

Rock im Park 2026 — Drei Tage Zeppelinfeld

Fiona hätte dabei sein sollen. Sie fehlt — das spüre ich immer wieder. Es gibt so viele schöne Momente, die ich gerne mit ihr geteilt hätte.

Und doch: Mark ist eingesprungen. Wir freuen uns auf drei Tage zusammen — Musik, Zeppelinfeld, was auch immer kommt.

Tag 1 — Freitag, 5. Juni

Ecca Vandal eröffnet auf der Utopia Stage — nur wenige sind so früh schon da. Die Australierin bewegt sich irgendwo zwischen Punk, Hip-Hop und Alternative Rock, sucht ihren Stil, findet ihn phasenweise noch nicht. Chill-out-Musik für Metal-Fans. Ein ruhiger, unspektakulärer Beginn — und genau das Richtige für diesen Moment.

The Pretty Reckless — von der ersten Sekunde an ist klar, wem die Bühne gehört. Taylor Momsen nimmt das Publikum in den ersten Takten in Beschlag und lässt es bis zum letzten Song nicht mehr los. Besonders faszinierend ist die Dynamik mit Gitarrist Ben Phillips — eine lange Zusammenarbeit, die man nicht nur hört, sondern auch sieht. Eine leise Rivalität um die Führung ist spürbar — Momsen behauptet die Bühne, Phillips fordert sie heraus. Mehrfach verzögert sie den Einsatz, lässt ihn warten — und zwinkert dabei dem Publikum zu, als würde sie es einweihen in ein gemeinsames Geheimnis. Ein Kräftemessen, das beide sichtlich geniessen, und das der Show eine zusätzliche, elektrische Spannung verleiht.

Tom Morello hatte ich nicht auf dem Radar — Marks Empfehlung, der ich folgte. Was dann kam, war umwerfend. Morello betritt die Bühne ohne grosse Ansage, ohne Spektakel — und braucht beides nicht. „Love Music, Hate Fascism“ — die Botschaft steht, dann sprechen die Saiten. Ein Karriere-Querschnitt, der mühelos zwischen Solomaterial und Rage-Klassikern wechselt, getragen von einer Energie und Authentizität, die man nicht spielen kann. Bei „Killing in the Name“ explodiert der Moshpit — ein Puls, der durch den ganzen Pit vibriert. Der erste Gänsehautmoment des Tages, und ein Dankeschön an Mark für die Empfehlung.

Three Days Grace haben es danach schwer. Das Set wirkt lustlos runtergespielt — schade, meine Erwartungen waren riesig.

Electric Callboy verwandeln das Infield in einen kollektiven Ausnahmezustand — besser noch als bei ihrer Show im Hallenstadion. Und dann, bei „Let the Good Times Roll“, betritt Dexter Holland die Bühne. Gemeinsam präsentieren Frontmann Nico Sallach und der Offspring-Sänger ihren neuen gemeinsamen Titel — voller Freude, voller Energie. Nach dem Song erzählt Nico begeistert davon, wie es war, seine Idole in Kalifornien zu treffen. Der Moment des Tages.

Volbeat mit all diesen Hits: sehnsüchtig erwartet. Doch was folgt, ist Routine statt Spielfreude — lieblos runtergespielt. Das Zeppelinfeld singt mit, die Band spielt. Mehr nicht. Schade.

Um 23:30 Uhr, Palaye Royale auf der Orbit-Bühne — und plötzlich ist alles anders. Ich kannte sie, hatte sie aber noch nie live gesehen. Was dann folgt, ist eine Riesenüberraschung. Ich komme rein, suche mir zuerst einen Sitzplatz — die Beine brauchen eine Pause. Es hält nicht lange. Was von der Bühne kommt, lässt mich nicht sitzen. Remington Leith gibt von der ersten Sekunde alles — unglaubliches Charisma, ansteckende Spielfreude, eine Energie die sofort überspringt. Er sucht die Nähe zum Publikum, geht raus, stellt sich mitten in den Moshpit — Bühne und Pit werden eins. Drei Brüder, eine Band für die grosse Bühne — das ist nach diesem Auftritt keine Frage mehr. Der genaue Gegenentwurf zu dem, was kurz vorher auf der Hauptbühne fehlte. Die Entdeckung des Tages.

Danach noch kurz zu Bad Omens auf die Mandora Stage — reingehört, den Tag ausklingen lassen. Auf dem Weg nach Hause noch mit Metal-Fans aus München ins Gespräch gekommen. Einfach viele nette Leute hier.

Konzertdaten
TitelRock im Park 2026 — Tag 1
DatumFreitag, 5. Juni 2026
OrtZeppelinfeld Nürnberg
BesetzungEcca Vandal · The Pretty Reckless · Tom Morello · Three Days Grace · Electric Callboy · Volbeat · Palaye Royale · Bad Omens
Wertung
Ecca Vandal
★★☆☆☆
The Pretty Reckless
★★★★☆
Tom Morello
★★★★★
Three Days Grace
★★☆☆☆
Electric Callboy / Dexter Holland
★★★★★ +★
Volbeat
★★☆☆☆
Palaye Royale
★★★★★ +★
Gesamteindruck Tag 1
★★★★★

Tag 2 — Samstag, 6. Juni

Black Veil Brides eröffnen meinen Samstag — theatralisch, Makeup, Pathos, Hooks. Trotz frühem Zeitpunkt ist die Stimmung bereits gut, ein kleiner Moshpit formt sich. Ich amüsiere mich bestens.

Hollywood Undead legen einen Gang zu — super Stimmung, super Pit, definitiv eine Party-Show. Noch Nachmittag, noch vor dem grossen Abend. Das Infield ist bereits in Bewegung.

Breaking Benjamin — eine Empfehlung von Mark, und was für eine. Exzellente Überraschung. Riesige Party-Stimmung in der Mitte. Einziger Vorbehalt: Der Kies. Bei den Circle Pits bleibe ich draussen — Kies und Pit, das ist keine gute Kombination.

Social Distortion — nur für ein paar Minuten, bevor ich zur Utopia Stage wechsle. Ich bereue es, nicht bleiben zu können. Aber The Offspring hat Vorrang.

The Offspring — grosser Moshpit ab Sekunde eins. Dexter Holland und Noodles, tief ins Archiv, Hit um Hit. Kein Abriss wie im Herbst im Hallenstadion — aber ein mitreissender Auftritt, der jeden Moment wert ist. Und man denkt kurz: Holland war gestern schon hier.

Iron Maiden — meine Jugend. Die Erwartungen hielt ich bewusst tief. Was dann folgt, übertrifft alles. Sie spielen alle Hits, lange Soli, exzellente Musiker in Hochform. Das Publikum ist textsicher, geniesst ruhig — gegen Ende entstehen die ersten Pits, die Stimmung steigt. Eine extrem positive Überraschung.

Sabaton kannte ich nur ein bisschen — und wusste, dass Fiona sie liebt. Was sie abliefern, ist phänomenal. Herzlich, voller Spielfreude, nah am Publikum. Drummer Hannes Van Dahl thront auf einer Panzernachbildung — das immer wiederkehrende Kriegsthema in ihren Texten, hier zur Bühne geworden. Sechsköpfige Backing Vocals schaffen ein breites klangliches Spektrum. Dazu eine fulminante Video- und Pyroshow. Einfach umwerfend. Ein ganz grosser Auftritt — eine Band, die ich so nicht erwartet hatte.

Sondaschule — beim Ruhrpott Rodeo hatte ich sie als Überraschungsact erlebt, wusste diesmal ungefähr was mich erwartet. Die Orbit-Halle ist krachen voll, ich muss zuerst in die zweite Galerie. Über kleine Gänge, die ich inzwischen kenne, gelange ich direkt vor die Bühne. Grosser Pit, alle haben Spass. Dann der Moment: Eine Person im Rollstuhl wird gecrowdsurft. Für einen Song kommt der Gitarrist der Hives auf die Bühne. Zehn Minuten vor Ende muss ich gehen — letzter Zug nach Nürnberg. Ich gehe ungern.

Konzertdaten
TitelRock im Park 2026 — Tag 2
DatumSamstag, 6. Juni 2026
OrtZeppelinfeld Nürnberg
BesetzungBlack Veil Brides · Hollywood Undead · Breaking Benjamin · Social Distortion · The Offspring · Iron Maiden · Sabaton · Sondaschule
Wertung
Black Veil Brides
★★★★☆
Hollywood Undead
★★★★☆
Breaking Benjamin
★★★★★
The Offspring
★★★★★ +★
Iron Maiden
★★★★★ +★
Sabaton
★★★★★ +★
Sondaschule
★★★★★
Gesamteindruck Tag 2
★★★★★ +★

Tag 3 — Sonntag, 7. Juni

We Came As Romans — eine positive Überraschung, ein guter Einklang in den langen Sonntag.

Mastodon — für mich eine Entdeckung, aber nicht gewaltig. Eine Band, die ich im Hinterkopf behalte.

The Hives — ich liebe die Hives. Pelle Almqvist und seine Band liefern einen Mega-Auftritt. Das Infield ist brechend voll — aber von Leuten, die auf Linkin Park warten. Etwa dreissig Gleichgesinnte finden sich im Pit, wir tanzen und geniessen es zusammen. Schade, dass so viele Nicht-Fans da sind. Für uns dreissig: perfekt. The Hives forever, forever the Hives!

Within Temptation — ich hatte mich sehr darauf gefreut, die Erwartungen waren gross. Und diese wurden massiv übertroffen. Sharon den Adel — unglaubliche Stimme, unglaubliche Energie, eine Frontfrau von aussergewöhnlicher Kraft. Welche eine Power. Ich stehe da, völlig überwältigt, mitgerissen bis auf die Knochen. Einer der ganz grossen Acts des Festivals — ein Auftritt, für den ich mir gewünscht hätte, in Reihe eins zu stehen.

Papa Roach — das Infield mega voll, Fans von Linkin Park wohin man schaut. Eine Setlist voller Hits, richtig Party im Pit, Wahnsinnsstimmung. Kein Knochen bleibt ruhig — ausser bei den hardcore Linkin-Park-Fans. Aber wir haben unseren Spass.

Linkin Park — die Stimmung ist ruhig, man beobachtet die Show. Ein kleiner Moshpit formt sich, der am Ende jedes Songs sofort wieder verschwindet. Zu viele Menschen. Brechend voll. Ich fühle mich unwohl, kann die Musik nicht mehr geniessen — und flüchte. Draussen sorgt sich ein Security um mich, fragt mehrfach nach, wie es geht. Nach fünfzehn Minuten ist alles wieder gut.

Danko Jones — zwanzig Minuten nach Beginn, die Orbit-Halle bereits in voller Party. Songs zum Mitsingen und Partymachen. „My Little RnR“ schüttelt die Halle richtig massiv durch. Ich gehe ab und träume.

Konzertdaten
TitelRock im Park 2026 — Tag 3
DatumSonntag, 7. Juni 2026
OrtZeppelinfeld Nürnberg
BesetzungWe Came As Romans · Mastodon · The Hives · Within Temptation · Papa Roach · Linkin Park · Danko Jones
Wertung
We Came As Romans
★★★☆☆
Mastodon
★★★☆☆
The Hives
★★★★★
Within Temptation
★★★★★ +★★
Papa Roach
★★★★★
Linkin Park
★★★☆☆
Danko Jones
★★★★★
Gesamteindruck Tag 3
★★★★★

Drei Tage Rock im Park. Drei Tage, während denen die Musik nicht Begleitung war, sondern Antrieb — von der ersten Note bis tief in die Nacht, mit jeder Faser dabei. Electric Callboy mit Dexter Holland, Palaye Royale, Sabaton, Iron Maiden, The Offspring, The Hives, Within Temptation — Momente, die man nicht plant und nicht vergisst, die einen treffen wie eine Welle und nicht mehr loslassen. So fühlt sich das an, wenn ein Festival mehr ist als eine Veranstaltung. Ein Traum. Und als der Vorverkauf für nächstes Jahr öffnet, ist die Frage keine.