An der Wand der Dorfkirche Riehen steht es geschrieben: «Es sei vor Ihm stille die ganze Welt». Selten hat eine Kircheninschrift so präzise ein Konzertprogramm angekündigt.
Giuliani betrat den Klangraum auf Zehenspitzen. Das Saxophon tastete sich vor wie jemand, der eine schlafende Kathedrale nicht wecken will — reserviert, fast flüsternd. Mirabassi wartete geduldig am Klavier, legte Läufe hin wie seidene Tücher, weich und ohne Falten. Kein Drängen. Kein Ellbogen. Zwei Männer, die einander seit Jahrzehnten kennen und es nicht mehr beweisen müssen.
Dann, allmählich, öffnete sich das Saxophon — wie eine Blume, die nicht weiss, dass sie blüht. Giuliani wurde freier, die Töne runder, wärmer, manchmal fast übermütig. Gelegentlich bäumte sich das Instrument auf, wurde kurz bissig, zeigte Zähne — um im nächsten Atemzug wieder in die samtene Mitte zurückzugleiten. Kein Aufstand, keine Revolution. Das genaue Gegenteil: ein Frieden, der sich selbst gewählt hat.
Alles in allem ein bisschen wie ein Ölgemälde, das man im Kerzenlicht betrachtet. Klassische, gefällige Schönheit. Ruhe, die man mit geschlossenen Augen verspürt.
Ein Kontrast zu den Konzerten der letzten Tage. Aber auch das ist wichtig, um die Breite des Genre nur annähernd abzudecken.
| Titel | Rosario Giuliani & Giovanni Mirabassi Duo |
| Datum | 19. Mai 2026 |
| Festival | 36. Jazzfestival Basel |
| Ort | Dorfkirche Riehen |
| Besetzung | Rosario Giuliani (Saxophon) · Giovanni Mirabassi (Klavier) |