Jazz

Chris Potter Trio: Der Herzschlag trägt das Feuer

Manchmal ist 1+1+1 viel mehr als drei. So zu sehen im randvoll besetzten Tis — einem Ort, der für solche Abende gemacht ist: klein genug, dass man die Atemzüge der Musiker spürt, gross genug, dass der Klang sich entfalten kann.

Das Offbeat bringt dieses Jahr Saxophonisten nach Basel, die einem das Staunen neu beibringen.

Chris Potter gehört seit Jahrzehnten zur Weltspitze — und er liess keinen Zweifel daran, warum. In ruhigen Passagen liess er das Saxophon atmen, fast flüstern, jeden Ton mit einem warmen Vibrato ausgeleuchtet — als würde er eine Geschichte erzählen, die man erst beim zweiten Hören ganz versteht. Dann die Verwandlung: verwinkelte Läufe, halsbrecherische Tempi, Phrasen, die sich überlagerten und wieder auflösten — Virtuosität ohne jede Selbstgefälligkeit.

Matt Brewer am Bass war das Rückgrat des Abends — und was für eines. Sein umjubeltes Solo liess die Qualität hören, die einen guten Bassisten von einem aussergewöhnlichen unterscheidet: die Fähigkeit, Rhythmus und Melodie gleichzeitig zu sein. Über das ganze Konzert hinweg spannte er einen herzschlaggleichen Boden — und gab damit dem Trio eine Freiheit, die man förmlich spürte.

Kendrick Scott am Schlagzeug nutzte diese Freiheit mit Bedacht. Er wirkte selten wie jemand, der führt — eher wie jemand, der weiss, wohin es geht, noch bevor die anderen aufgebrochen sind. In den Steigerungen begleitend, nie drängend; Gedanken von Potter aufgreifend und weiterspinnend; und dann, in den dramaturgischen Momenten, plötzlich voraus, den nächsten Atemzug des Stücks vorbereitend. Ein Schlagzeuger als stiller Architekt.

Dem Offbeat und dem Tis: Danke für einen Abend, der noch lange nachhallt.

Konzertdaten
TitelChris Potter Trio
Datum17. Mai 2026
Festival36. Jazzfestival Basel
OrtAtlantis Basel
BesetzungChris Potter (Saxophon) · Matt Brewer (Bass) · Kendrick Scott (Schlagzeug)
Wertung
Chris Potter
★★★★★
Matt Brewer
★★★★★
Kendrick Scott
★★★★★
Dramaturgie
★★★★★
Gesamt
★★★★★