Die ersten Töne kamen vom Klavier — als würde jemand einen Vorhang einen Spalt weit öffnen, nur um zu sehen, was dahinter wartet. Manz antwortete mit dem Saxofon, klagend, zögernd — zwei Stimmen, die sich im Dunkeln suchen. Summers Hände webten etwas Zerbrechliches in den Raum, das man kaum zu atmen wagte.
«The Opposite» heisse das Stück, sagte Johanna Summer danach — und lachte dabei so herzlich. Es beschreibe die beiden gut. Man glaubte es sofort: Summer, die mit den Augen lächelt, bevor die Finger die Tasten berühren. Manz, der ins Saxofon schaut wie in einen Spiegel, den er lieber für sich behält. Und doch — auf der Bühne: zwei Hälften, die erst zusammen ganz sind.
«Desperation & Hope» — der Titel sagt alles und doch nicht genug. Manz war siebzehn, der Anblick vor dem Frankfurter Bahnhof brannte sich ein. Was er nicht in Worte fassen konnte, fand er in Tönen. Summer folgte ihm dorthin — behutsam, wie jemand, der neben einem geht, ohne zu drängen. Ein Stück wie eine offene Wunde, aus der trotzdem Licht fällt.
Manz legte das Altsaxofon weg — und holte die Blockflöte hervor wie ein Zauberer, der noch einen letzten Trick in der Tasche hat. Was folgte, war «The Turmoil»: ein Tanz der Kobolde, ein Fest im Moos, eine Musik, die kitzelte und wirbelte und keine Sekunde stillstand. Der Jubel danach war der eines Saals, der gar nicht glauben konnte, was er gerade erlebt hatte.
Beim Titelstück des Albums liess Summer die Zügel los. Der Flügel — sonst Träger von Melancholie und Klangfülle — wurde zur Funk-Maschine, trotzig und tanzend. Manz‘ Alt legte sich darüber wie ein Lächeln. Man wusste nicht genau, was man gerade hörte. Man wusste nur: mehr davon.
Das offbeat-Festival weiss, wen es einlädt. Johanna Summer und Jakob Manz füllten den Festsaal mit allem, was Musik kann: trösten, aufwühlen, befreien, verzaubern. Ein Abend, der noch lange nachhallt.
| Titel | Johanna Summer & Jakob Manz |
| Datum | 12. Mai 2026 |
| Festival | offbeat Jazzfestival Basel 2026 – 1. Konzert |
| Ort | Volkshaus Basel, Festsaal |
| Besetzung | Johanna Summer (Klavier), Jakob Manz (Altsaxofon & Blockflöte) |