Der Saal in der Church Street ist kleiner, als ich es von einer Rebellion-Nebenveranstaltung erwartet hätte: Platz für vielleicht vier-, fünfhundert Leute, an ovalen Tischen zu acht bis zehn Personen bestuhlt. Eine Klubatmosphäre für akustische Konzerte, bevor es drüben im Olympia am Abend richtig raucht. Kurz nach zwölf, als Dave Sharp & The Hard Travellers eröffnen, sitzen vielleicht hundert Leute im Saal — der Nachmittag muss sich erst warmspielen.
Sharp, Gitarrist und Mitgründer von The Alarm („68 Guns“, „Rain in the Summertime“), widmet sich mit den Hard Travellers seit 2007 dem Erbe von Woody Guthrie. Und genau danach klingt es auch: Country Blues, locker gespielt, fast schon lässig — aber exzellent. Kein perfekt poliertes Set, sondern eins, das sich Zeit lässt und trotzdem sitzt.

Um 13:20 übernimmt Steve Drewett, seit 1979 Kopf der Newtown Neurotics, bis heute mit dem Anarchosyndikalisten-Aufkleber auf der Gitarre. Zwei Songs bleiben besonders hängen: „Stand With You“ und „Climate Emergency“ — gute, dringliche Texte über Solidarität und Klimakollaps, denen man die 45 Jahre auf der Bühne anmerkt. Nur seine Stimme trägt an diesem Nachmittag nicht ganz so, wie es die Texte verdient hätten.

Um 14:15 folgt mit Kirk Brandon aKoustiK feat. Sam Sansbury am Cello die vielleicht ungewöhnlichste Kombination des Tages. Nur Stimme und Cello — kein Schlagzeug, keine Gitarre, die Brandons oft pathosreiche Spear-of-Destiny-Songs sonst tragen. Genau das macht den Reiz aus: Eine Besetzung, die man so selten findet, und die sich eher im Nachhall entfaltet als im ersten Moment. Ich könnte mir gut vorstellen, das nochmal zu sehen.

Um 15:20 kippt die Stimmung: Voodoo Radio Acoustic bringt Comedy-Punk mit Ansage, macht sich über sich selbst lustig und bringt genau die Leichtigkeit rein, die nach den ernsteren Tönen des frühen Nachmittags gutgetan hat. Der Saal, der sich seit Dave Sharp kontinuierlich gefüllt hat, ist inzwischen spürbar wacher. Die beiden kommen diese Woche gleich nochmal — akustisch am 7., elektrisch am 8. August, mitten im eigentlichen Rebellion-Programm.

Den Abschluss macht um 16:30 Tom Robinson mit Adam Phillips, seit 31 Jahren sein fester Gitarrist. Mit viel Charme und Witz führt Robinson durch ein reduziertes Set, das in den beiden Mitsing-Hymnen „Glad to Be Gay“ und „2‑4‑6‑8 Motorway“ gipfelt. Der Saal ist inzwischen voll oder fast voll, spürbar offen gegenüber Robinsons Botschaft von Gleichberechtigung — und dankt es ihm mit dem größten Applaus des Tages.

Ein wunderschöner Akustik-Nachmittag geht damit zu Ende. Der Kontrast zum selben Abend könnte kaum größer sein: Drüben im Olympia wird es elektrisch, mit Adam Ant, The Undertones und Altered Images stehen die großen Namen auf dem Programm.
| Festival | Rebellion Festival — Run Up |
| Datum | 4. August 2026 |
| Ort | Viva, Blackpool |
| Besetzung | Dave Sharp & The Hard Travellers · Steve Drewett · Kirk Brandon aKoustiK · Voodoo Radio Acoustic · Tom Robinson with Adam Phillips |